Federwechsel bei Großuhren – Kleinigkeit?

Vorwort

Manchmal ist es einfach passiert, die Feder ist gerissen oder beim Entspannen des Werkes ist etwas schief gelaufen- dann ist das Federhaus hin. Wer sich schon mal an einer Feder von einem Anreisser des Rasenmähers versucht hat, weiß, wieviel „Spaß“ es macht, diese Feder wieder in’s Gehäuse zu bekommen. Schon dabei kann man sich verletzen. Dieser Post ist Teil des Projekts 52 und im speziellen für Conni und Wolfgang.projekt 52 logo

Wer sich in der Materie nicht auskennt: Gefahr! Herausspringende Spiralfedern, wie sie in Großuhren benutzt werden, können Gliedmaßen abtrennen und zu schweren Verletzungen führen!

Das Equipment

Bei einer Feder, die 1,8 cm Klingenbreite, 2m Länge und 0,8mm Klingenstärke hat, ist der Versuch aussichtslos (und gefährlich) selbige ohne Hilfsmittel in ein Gehäuse mit 5cm Durchmesser zu bringen. Dafür benötigt man einen Federwinder. Kostet um die 200 Euro. Oder, man ist wie ich, vom Geiz zerfressen und baut selbst, kostet dann etwa 70 Euro und Nerven.

selbst gebauter Federwinder

Federwinder

Dreht man an der Kurbel im Uhrzeigersinn kann man die Feder spannen- die 3 messingfarbenen Stifte mit den Hutmuttern am anderen Ende dienen zum arretieren. Die lose baumelnde Hülse auf der Welle dient nachher dem Transport/ der Aufbewahrung der Feder. Die beiden Flügelmuttern gehören zum Klemmstück, welches das Federhaus festhält.

An Stelle etlicher 4- Kant Aufziehschlüssel findet im Federwinder eine Vielzahn- Nuss verwendung. An die Kurbel habe ich ein passendes 4- Kant gefeilt. Jetzt kann man je nach Wellengröße des Federhauses einfach eine passende Nuss verwenden. Übrigens steht der Federwinder nicht auf dem Schraubstock- er besitzt 2 Bolzen, das man ihn dort einspannen kann.

Jetzt aber!

Jetzt die Feder spannen und mit einem der 3 Arretierer die Kurbel arretieren. Dann kann man die Hülse über die Feder schieben. Durch leichtes rückwärts drehen der Hülse hakt sich dann die Feder aus dem Federhaus. jetzt kann man die Feder mit der Hülse entnehmen.

Federwinder in Aktion

gespannte Feder

 

Feder in der Transporthülse

Feder in der Transporthülse

Und jetzt?

Alles wieder zurück. Die Feder muss in diesem Fall in ein neues Haus, alles kein Problem. Der Federwechsel ist also eine Kleinigkeit. Nur noch das Ersatz- Federhaus reinigen und ein wenig einfetten.

neues Federhaus, vorbereitet

vorbereitet

Operation gelungen

Im folgenden Bild sieht man alt und neu- der Deckel des Hauses wird aufgedrückt- mit einem kleinen Hammer und einem Stück Holz, kein Problem.

Bild von altem und neuem Federhaus

alt (mit erkennbarem Defekt) und neu

Das kann doch jeder!!!

Klar, mit dem entsprechenden Werkzeugen kein Problem- wäre da nicht der Rest des Uhrwerkes. Die Federn sind Bauteile, die eine Totaldemontage des gesamten Werkes notwendig machen. Meist muss man von der Zentralachse sogar die Rutschkupplung demontieren, die das Stellen der Uhr ermöglicht.

Platine eines mechanischen Uhrwerks

Platine

Das Problem ist wohl ein anderes…. Die Federn und alle fehlenden Räder wieder zwischen die beiden Platinen bringen und den Mechanismus des Schlagwerkes wieder zusammensetzen. Dann das Zifferblatt aufsetzen und den ganzen „technischen Unfug“ so einstellen, das das Schlagwerk um 11 auch wirklich 11 mal schlägt.

Fazit

Man muss, wie immer, genau wissen was man tut. Die Demontage des Uhrwerkes hat mich bis jetzt immer davon abgehalten, bei Werken mit Westminster Schlag Federn zu wechseln oder sie  auseinander zu bauen.

 

 

2 Gedanken zu „Federwechsel bei Großuhren – Kleinigkeit?

  1. Danke, Wolf, mit Bild ist mir nun ganz deutlich vor Augen wo die Grenzen sind.
    Allerdings ist ebenso klar wieviel man von solchen Uhrwerken verstehen muß um daran zu arbeiten!
    Die Top-Kür ist dann noch einen Apparat zu bauen mittels dessen man die Gefahr durch unkontrollierte Federn und damit verbundene Verletzungsgefahr reduziert.
    Immer schön vorsichtig bleiben, ein Risiko scheint es trotz aller Überlegungen zu geben.

    Zum hiesigen Uhrwerk: ich habe *reingefühlt* und konnte die Stäbe vom Schlagwerk fühlen – sonst leider keine Hebelchen …. vielleicht wenn ich die Klappe auf der Rückseite aufmache, da wo man das Schlagwerk abstellen kann?

    • Der Gedanke, das mal zu veranschaulichen kam eigentlich von Sari’s Heldenhaushalt, genauer durch Projekt 52, das mich schon viel inspiriert hat. Kleinigkeit- war das Thema…
      Natütlich kann man die Verletzungsgefahr NIE ganz ausschließen- aber, wenn man sieht, wie Die Feder im Federhaus oder in der Transporthülse liegt, kann man erkennen, ob sie verzogen ist. Sie ist dann nicht glatt aufgewickelt und die einzelnen Lagen haben sichtbare Höhenunterschiede. Da wird’s dann gefährlich- aber mit dem Federwinder ist man ein paar cm weg…. Übrigens habe ich den Winder nicht erfunden, ich habe mir einige davon im Internet angesehen und dann meine Version davon gebaut.
      DEINE UHR: die Auslöse-Hebel sind immer an der vorderen Platine des Uhrwerks, also an der Zifferblatt- Seite. Meist zwischen Zifferblatt und Platine, manchmal aber auch zwischen beiden Platinen- aber immer in der Nähe der vorderen. Das ist technisch bedingt, da sich die Steuerung des Schlagwerkes immer zwischen Zifferblatt und vorderer Platine befindet- das wiederum muss so sein, weil das Gehwerk ja das Schlagwerk auslöst- und der relevante Teil dafür, das Stundenwerk (3 Zahnräder), nimmt die Zeiger auf…
      Aber genug davon, jetzt wird es verwirrend.

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