Wann war das?
Mit 16 habe ich meine Berufsausbildung begonnen, wie so viele in der DDR. Das war 1982. Auf meinem „Ziphona Polystar“(1) liefen Platten wie „Double Fantasy“(Lennon/Ono) oder „Der Blaue Planet“ von Karat. Magnetbandkassetten von Dylan, AC/DC und etliche Mitschnitte aus dem Rundfunkprogramm bekam mein „Westrecorder“ „zu fressen“. Es war so ein „No Name“ Teil, das „Alltronic- Stereo“ hieß. Auch „das beste Album der Welt“ konnte ich heimlich hören- es stand bei meinem Vater im Plattenschrank: Pink Floyd’s „The Dark side of the Moon“. Ich durfte es eigentlich nicht auf meinem Plattendreher legen…
Wo?
Meine Eltern hatten damals eine Eckwohnung in Berlin, Greifswalder Straße 33, Ecke Hufelandstraße. Unter uns wohnte ein Schriftsteller, dessen Frau Medizinalrätin war. Im seinem Arbeitszimmer waren keine Schränke, die Wände waren von Oben bis unten mit vollen Bücherregalen gesäumt. Unter uns eine Kneipe: „Zum Pilsator“. Die Tatrabahn(2) vor der Tür ließ die Gläser im Schrank klingen- bis wir sie so hingestellt haben, das Ruhe war.
Mein Vater fuhr damals einen „Ostmercedes“- einen Wolga GAS 24 (3), er konnte mich meist früh zum Ausbildungsbetrieb mitnehmen. Ich lernte „Gärtner Fachrichtung Baumschule“ im VEG Saatzucht Baumschulen Dresden, Betriebsteil Berlin.
der besondere Mensch
Im ersten Lehrjahr, als in der Schule 3 Wochen Februarferien waren, hatten wir 2 Schülerinnen die sich mit Ferienjobs etwas dazu verdienen wollten. Eine von ihnen hieß Henrike. Wir verstanden uns auf Anhieb. Die Woche, in der sie arbeitete verging im Fluge.
Im Mai ging ich in ohne Bescheid zu geben mal schnell runter in die Kneipe Zigaretten holen… Plötzlich rief da jemand „Hey!“ Henrike… Sie war auf dem Weg nach Hause und musste die Tram bekommen- Ich fuhr mit- bis zu Ihr nach Hause, denn sie erwartete interessante Gäste- ihr Eltern waren verreist- in die Sowjetunion.
Als ich mich am nächsten Morgen in die elterliche Wohnung schlich bellte der Hund- meine Mutter: „Das hat ein Nachspiel!!!“ – darauf warte ich noch heute. Aber zugegeben, es war keine Glanzleistung, einfach unangekündigt über Nacht weg zu bleiben.
Wer jetzt an wilde Liebesnächte denkt, der irrt. Viele interessante Leute waren bei Henrike, alles ging gemäßigt zu, niemand betrank sich total, obwohl genug „Stoff“ da war.
Was ich damals nicht erahnen konnte- wir sind noch heute befreundet, ohne social Media, alles life. Es gibt wohl keinen anderen Menschen, der so viel über mich weiß.
und heute?
Wir treffen uns ein paar mal im Jahr, zum quatschen. Sie ist und war immer eine enge Vertraute. Wir sind immer der Fels in der Brandung für den anderen. Das schon über 40 Jahre. Sie ist nur ein paar Monate jünger als ich, wir sind Kinder der selben Epoche.
Wir waren nie ein Paar, auch wenn ich es manchmal schön gefunden hätte- aber das ist gut so, denn wir sind zu verschieden.
(1) Ziphona Polystar: Ein Transportabler Plattenspieler mit integriertem Verstärker im Einzeltransistor Aufbau (Schaltkreise ‚IC‘ waren damals in den Kinderschuhen)
(2)Tatrabahn: im Osten Berlins fahrende Straßenbahnen, die langsam die Gothaer Triebwagen und die Reko’s ablösten
(3)Wolga Gas 24 auch als „Ostmercedes“ oder „Taxi- Wolga“ oder „Russenpanzer“ bekannt, Im heutigen Stadtverkehr kaum in eine Parklücke zu manövrieren- der Wagen wog etwa 1,5 Tonnen und hatte keine Lenkhilfe, Servolenkung etc.






























