die älteste Sache in meinem Besitz

eine Blogger- Challenge aus UK von Thomas Rigby.

Dank auch an Thomas, der die Challenge über den Teich geholt hat

Mein vermutlich ältester Besitz ist ein Wecker der „Pfeilkreuz Marke“ also hergestellt in der Hamburg- Amerikanischen  Uhrenfabrik.

Was ist daran besonders?

Er ist von Beginn an in Familienbesitz. Mein Urgroßvater Bruno muss ihn einmal in Berlin gekauft haben. Die Konstruktion des Weckers [# Insiderwissen] lässt auf ein Produktionsdatum um die vorherige Jahrhundertwende schließen:

  • er besitzt einen entkoppelten, frei schwingenden Hammer
  • das Werk ist aus massivem Messing ohne Stahlräder
  • verkupfertes Gehäuse
  • Jugendstil- Design
  • keine Zentralsekunde (Sekundenzeiger nicht mittig)

die Story dahinter

Irgendwann riss eine der Federn und der Wecker wurde nicht weggeworfen, sondern diente als Bücherstütze im Bücherregal. Da er hübsch aussah, übernahm ihn mein Vater für seinen Bücherschrank. In der Zwischenzeit war auch sein Glas gebrochen.

ein historischer Wecker in Familienbesitz

Familienbesitz

Aber ich mochte ihn schon als Kind und war traurig, das er nicht funktionierte. Wenn ich ihn (heimlich) in der Hand hielt, erzählte er mir Geschichten…

Nun musste mein Vater wegen Demenz in ein betreutes Wohnen umziehen und viele seiner Sachen blieben zurück. Den Wecker hatte ich schon ganz vergessen- bis er mir in die Hände fiel.

Nach über 60 Jahren Stillstand hat er jetzt wieder ein Glas und seine gebrochene Feder ist gewechselt, sein Werk gereinigt und wie vor 120 Jahren schwingt seine Unruh tanzend im Takt, wenn man ihn aufzieht. Ich hatte Tränen in den Augen, als ich ihn montiert hatte, aufzog und sein „Herz“ wieder zu schlagen begann.

noch ein Wecker

Der zweit- älteste Gegenstand ist ebenfalls ein Wecker der H.A.U. Aber er ist kein „Familientraditionsgegenstand“- ich habe ihn gekauft, weil

  • er war billig (Auktion, keiner wollte ihn ->11 britische Pfund)
  • ich wollte wissen was ein „Repeat Alarm“ ist
  • es ist ein H.A.U.

Er muss die Insolvenz der H.A.U. schon gerochen haben: dünne Zahnräder und Platinen sogar ein Rad ist teilweise aus Eisen. Die Messingblende hinter dem Glas ist durch Pappe ersetzt und das Gehäuse ist (billig) lackiert. An Stelle einer Glocke schlägt sein Hammer innen auf den Gehäusedeckel. Er muss kurz vor dem Ende der H.A.U. gebaut worden sein, also 1928/29. Selbstverständlich ist auch er wieder voll funktionstüchtig.

alter Wecker mit "repeat Alarm, einem Vorgänger von "snooze"

mechanische Nervensäge

Was ist „repeat Alarm?“

Das hatte mich auch interessiert…  Zu eingestellter Zeit weckt er- etwa 10 Sekunden, dann ist wieder Ruhe, 10 Sekunden lang, dann wieder Alarm…Ruhe…Alarm- das so lange, bis die Kraft der Feder aufgebraucht ist. Die mechanische Variante der „Snooze- Taste“ sozusagen. Voll die Nervensäge, mit genug Potential an die Wand geworfen zu werden.

Aller guten Dinge sind drei!

Und dann gibt es da noch etwas besonderes: Obstschalen aus billigem Pressglas, aus denen ich als kleiner Junge, so lange es Oma gab, mein Kompott gegessen habe. Meist selbst geerntete Erdbeeren aus dem Garten oder dem Einweckglas. Die Schalen sind die letzten „Überlebenden“ eines großen Service. Es bestand aus einem ovalen Obst- oder Kuchenteller, einer großen Schüssel, 6 großen und 6 kleinen Schalen. eine Große und eine Kleine besitze ich noch.

hellblaue, flache Glasschale aus Pressglas, etwa 70 oder 80 Jahre alt

davon gab es Kompott

Der Größenunterschied macht vielleicht ein oder 2 cm aus. Ich mag den Farbton und die Machart. Sie erinnern mich an eine wunderschöne Zeit in meinem Leben- als ich vor der Schulzeit fast 2 Jahre bei meiner Oma gelebt habe. Freiheit, Güte und Gemeinsamkeit habe ich so nie wieder erlebt.

Warum ich da mitmache?

Viele der Challenges empfinde ich als „Selbstbeweihräucherung“- Hier ist das (für mich) total persönlich. Es sind Gegenstände die von früher erzählen, man muss nur genau hinsehen. Zugegeben, war ich hier sicher auch nicht ganz ehrlich- als Sammler alter Wecker, Uhren und Kuckucksuhren habe ich einige alte Dinge, und es würde schwer werden alles in die richtige Chronologie zu bekommen- Ich habe hier die aufgelistet, die mir wichtig sind.

 

 

#BlogFragen: Technologie-Edition

Meinem empfinden nach ist es immer interessant, wie andere Blogger solche Fragen beantworten- und Community lebt vom mitmachen, also will ich hier auch meinen Bezug zur Technik kund geben.

Wann hast Du Dich zum ersten Mal für Technik interessiert?

Mein Vater ist Kommunikationselektroniker und hat zu tiefsten DDR Zeiten einen Audio Verstärker nebst Boxen selbst gebaut. Er besaß einen der damals üblichen Ziphona Plattendreher mit Reibradantrieb der 4 Geschwindigkeiten konnte 16, 33, 45 und 78 Umdrehungen pro Minute. Als er mal kurz auf der Toilette war, nahm ich den Lötkolben weil ich auch mal was löten wollte- ich trug kurze Hosen und verbrannte mich am Oberschenkel- ohne einen Schrei, als er mir aus der Hand fiel. Ich war 5 oder 6 Jahre alt und ging noch nicht zur Schule. Das hat mich geprägt- seitdem wollte ich alles wissen. Später reparierte ich (war ich so 10..12) den Staubsauger meiner Oma, ein Vorkriegsmodell, oder baute eine elektrische Beleuchtung in den Keller meiner Großeltern. Für letztere kassierte ich eine Tracht Prügel von meinem Vater, da Kinder nichts an Elektrik zu suchen haben. Die Anlage, die ich gebaut habe, war bis zum Verkauf des Hauses in Betrieb und hatte seiner strengen Kontrolle stand gehalten…

Meine Großeltern waren da liberaler: „Wenn Du nochmal sowas machst, erzählen wir es dem Alten einfach nicht…“ Und ich habe!!!

Was ist momentan Dein liebstes Stück Technologie?

Der Verbrennungsmotor im Motorrad. Ich würde ihn gern behalten, aber mit den regenerativen eco- Fuels füttern. Zur Zeit fahre ich eine Brixton Rayburn, eine Royal Enfield 350 Classic soll es mal werden.

Pause an der Tankstelle

Volltanken bitte!

  • E- Motore beschleunigen besser- aber ich fahre nicht gern schnell
  • bei E- Motoren fehlen mir die feinen Vibrationen im Bike
  • ich mag es nicht laut, aber der Verbrenner- Sound ist genial

Nenne ein neues cooles Stück Technologie, das wir in 25 Jahren haben werden!

Natürlich wäre ich über eine energetische Klimaneutralität froh, gerade als SiFi Fan, der als Kind „Silent Running“ gesehen hat. Aber eigentlich glaube ich an einen brauchbaren „Photonenantrieb“.

Fazit

Technologie ist ein weites Feld, über das man geteilter Meinung sein kann. ABER der Ausspruch von Albert Einstein sollte uns allen eine Warnung sein:

„Schämen sollten sich die Menschen, die sich gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frißt.“

Da macht mir KI mehr Angst als Wohlbehagen…..