Da lag sie- auf dem Tisch und wartete auf ihr Ende. „DAS da ist alles Schrott!!“ Ich sah sie liegen- eine Original Sebnitz BM10/1. Unverkennbar das zur Bohrmaschine umgeformte „S“ auf dem Handgriff. Aus selbigem ragten Reste eines Anschlusskabels- es war völlig versprödet.
Diese Maschine diente in einem kleinen Privaten Metallbaubetrieb- etwa 60 Jahre lang. „Das ist kein Schrott, das ist ein Maskottchen!“ Schoss es mir durch den Kopf. Ich durfte sie mitnehmen, und schon ich hatte mich (wieder einmal) verliebt.
Zu Hause angekommen merkte ich schnell: schwerer Getriebeschaden.
Durch wie viele Meter Stahl muss sich die Maschine „gefressen“ haben um ein Bleibronzelager und diese Zahnräder so stark zu verschleißen? Wieviele Betriebsstunden braucht man…
Ein Ersatzteilspender musste her, so hätte ich keine Chance die Maschine wieder zu beleben.
Da Rotor und Stator nebst Kugellagern stark verschmutzt, aber gut aussahen, reinigte ich ersteinmal alles um mich am Abend um Ersatzteile zu kümmern.
Glück gehabt! Eine elektrisch kaputte Maschine mit defektem Gehäuse gab es für kleines Geld- jemand der seinen Schrott loswerden wollte. Der Versand war teurer als die Maschine selbst, aber ich brauchte ja nur ein paar Räder und den Kopf mit dem Bohrfutterlager… Ohne großartig andere Komponenten zu testen, hatte ich bei der alten Maschine einfach ein gutes Gefühl.
- Sieht gut aus!
- Teileträger
- vorderes Lagerschild
Interessant: wie viele Einzelteile, welche Verfahren für den Bau dieser Maschine notwendig waren- es ist alles geschraubt, gelötet- sogar den Schalter kann man öffnen und reparieren! Sofort musste ich an Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung denken.
Nachdem ich alles zusammen gebaut hatte, kam, was kommen musste: sie wollte sich nicht drehen. Aus irgend einem Grund hatte ich sie nicht vorher durchgemessen- ich war mir sicher, das die Wicklungen von Rotor und Stator in Ordnung sind… – waren sie auch! Der Schuldige war schnell ermittelt: der Schalter! Also den Schalter nochmal aufmachen- und: siehe da: ein verschlissener, verbrannter Kontakt- das war mir so nicht aufgefallen. Zum Glück hatte ich ja noch den Ersatzteilspender!
Nun heißt es- Ehrenplatz finden und Wand- oder Deckenhalter bauen. Leider war ich gezwungen ein neues Anschlusskabel und eine neue Knickschutztülle zu verbauen- der Originalstecker, Tülle und Kabel sind dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen.
Ein paar Tage später bohrte ich mit ihr ein Loch in eine Kunststoff- Tischklammer, legte sie zur Seite und dann BOFF!!! Rauch stieg aus den Lüftungsschlitzen. Das Licht war aus – alles dunkel. Wütend zog ich den Stecker aus der Dose und schaltete den Strom wieder ein und Tür zu- für Heute reicht’s!
Nach zwei Tagen schmollen dachte ich: sie war ausgeschaltet, das kann NICHT der Motor sein… Und richtig- das Netzfilter, auch als „Entstörkondensator“ bezeichnet, hatte sich verabschiedet. Da diese Maschine zur damaligen Zeit modern und leistungsstark war, hatte man da nicht einfach einen Funkenfresser verbaut, sondern eine Kombination aus mehreren Kondensatoren. Deshalb hat dieses Bauteil auch 5 Anschlüsse und wird auch heute noch produziert.
Für diese Maschine gab es jede Menge Zubehör: eine biegsame Welle mit Schraubhandstück, einen Winkelkopf (Winkelbohrmaschine), eine Blechschere sowie Schleif- und Fräsaufsätze. Auch ein Gewindeschneidaufsatz soll es gegeben haben. Für die damalige Zeit war sie mit 300W ein Kraftpaket. Es gab zu dieser Zeit auch im westlichen Deutschland kaum Maschinen mit Rechts-/ Linkslauf.
Am 30.Juni 2026 wurde übrigens ihr „Geburtsort“ für immer geschlossen. Nach der Wende ging die Fabrik in Sebnitz an einen großen Deutschen Hersteller von Elektrowerkzeugen, für den es sich aber, wegen gesunkener Nachfrage, nicht lohnte, das Werk weiter zu betreiben. Damit gingen nach über 80 Jahren in Sebnitz die Lichter aus.






