Mein Enkel wurde von der Polizei verprügelt

Jeder hat da Bilder im Kopf- Chaoten, komische Gestalten, die Steine werfen und Menschen gefährden ->Kleinkrieger<-.  Mit denen hat das nichts zu tun…

Eine Simson rollt durch die Nacht- sie ist perfekt eingestellt, denn ihr Fahrer hat zwar keine Fahrerlaubnis, aber er ist der 15 jährige Held der Schrauberclique. Sein Opa hat ihn equippt: Zünduhr, Kerzentester, Polradabzieher… Er weiß was er tut, nicht einfach ein YouTube- Nachahmer. Er kennt die Zusammenhänge- auch der eigentlich technisch total veraltete BVF- Vergaser ist perfekt eingestellt und abgestimmt.

Teilbild einer grünen Simson

Simson

Heinrich (so nennen wir ihn mal hier) weiß, das er nicht auf der Straße fahren darf- er soll ja den A1 (Führer-)Schein machen und dann ist das alles kein Problem… Ein Bauer lässt die Jungs auf seinen Privatwegen fahren- so lange sie nicht über’s Feld bügeln.

Seine „Simme“ ist von Mutti überwacht- er darf nur Teile mit Prüfzeichen anbauen- ein befreundeter TÜV Prüfer hat ein Auge drauf.

Es ist für ihn wichtig, bald selbst fahren zu dürfen- der Schulbus braucht fast doppelt so lange, wie ein Moped. Aber es ist dunkel, Sprit ist alle- sieht ja keiner. Helm hat er auf, also wer soll Verdacht schöpfen??? Für die Kumpels hat er einen Kanister im Rucksack.

Er beobachtet ein zwei Autos, die hinter ihm fahren, aber nicht überholen. Vor einiger Zeit wurde er von einer zweiten Simson begleitet, die er aber nicht kannte, Plötzlich schert eines aus und setzt sich vor ihn -er erkennt sofort: POLIZEI!!  Der Einsatzwagen zwingt ihn zum anhalten. Er hält sofort, macht den Motor aus,- er weiß, das er verloren hat. Panik überkommt ihn und er bekommt den Helm nicht vom Kopf- weil er den Verschluss nicht auf bekommt. Die zweite Simson verschwindet im dunkel. Er erklärt dem anfangs freundlichen Polizisten sein Problem mit dem Helm…

Der springt auf ihn zu und zerrt ihn vom Moped, ein zweiter kümmert sich um die Simson. Der erste beginnt ihm zu drohen- er solle seinen Kumpel verpfeifen und nicht den Helden spielen. Heinrich kennt den anderen Fahrer aber nicht- die Polizisten entdecken Heinrichs TicToc Namen am Helm- dort sehen sie eine Simson, die genauso aussieht wie die des Geflohenen. Sie beginnen auf ihn einzuprügeln….

eine blaue Simson mit LED Blinkern und LED Scheinwerfer

noch eine Simson

Da die Prügelattacke erfolglos bleibt, richten sie ihn wieder auf- ein dritter Polizist hilft ihm, den Helm abzulegen. Jetzt werden die (schlafenden) Erziehungsberechtigten über den Bruder verständigt und holen Heinrich ab. Der klagt über Schmerzen in der Nierengegend. Also ab in die Notaufnahme- „leichte Nierenprellung“ ist die Diagnose.

Anwalt, Anzeige…. alles sicher mit geringen Erfolgsaussichten.

Ich bin erschrocken darüber, das soetwas in unserem Land möglich ist- Mein Enkel ist kein Kraftsportler und auch der defensive Typ, er vermeidet eigentlich Konflikte, die er nicht gewinnen kann. Er ist kein Hühne- hat Schultern, wie ein Hering zwischen den Augen.

Was bitteschön geht in den Köpfen dieser Polizisten vor? Sieht so deren Rechtsauffassung aus? Was macht dieser Schock mit einem 15 jährigen?

Vor 44 Jahren bin ich auch schwarz gefahren- die Hunde meiner Eltern waren abgehauen und ich machte mir Sorgen, das ein Jäger sie erschießt. Der ABV (Abschnittsbevollmächtigte-> „Dorfsheriff“) hielt mich an- kein Helm, etc- er fragte mich ob ich Geld dabei hätte- „5 Mark“ sagte ich- „OK, ich verwarne Dich wegen Fahrens ohne Helm, deine Fahrerlaubnis muss ich nicht kontrollieren- Du rollst jetzt sofort nach Hause- sehe ich dich noch einmal so hier herumfahren, Kontrolliere ich alles!!!“ Ich bekam eine Quittung über 5 Mark Verwarngeld, die ich mir an die Decke meines Zimmers klebte. Das war im „Unrechtsstaat DDR“ nicht in der Demokratie. Ich bin danach NIE WIEDER schwarz gefahren.

Übrigens: die „blöden Köter“ waren vor mir wieder zu Hause.

Dies ist ein realer Vorfall, der hier nur grob geschildert wurde. Das Bild der Grünen Simson wurde von meiner Tochter bereitgestellt. Dieser Beitrag ist , wie fast alles hier, KI frei.

 

 

Sternenfahrt in Neuruppin

Für viele junge Menschen ist ein Motorisiertes Zweirad ein riesiger Schritt in die Unabhängigkeit und für die Eltern eine Entlastung. Wer will denn „freiwillig“ den Nachwuchs Sonntag früh um 3 aus der Disco abholen, zum „Nebenjob“ fahren oder zu Freunden kutschieren. Mal ist das ja alles kein Problem, aber dabei bleibt es ja nicht…

Wenn dann eine 16 jährige in der Motorradausbildung tödlich verunglückt ist das unvorstellbar schrecklich. Es ging ja durch die Medien: „auf regennasser Fahrbahn ist heute eine…LKW …tödlich“. Ihre Familie, der LKW Fahrer und der Fahrlehrer- mit denen will keiner tauschen.

Wer jetzt den „Armleuchter“ raushängen lässt, und meint ‚Motorradfahren ist eben gefährlich‘ dem sei gesagt- „Du hast keine Ahnung von der Materie!“ Ja, es ist gefährlich, aber es ist auch sehr emotional- die Schnellen genießen das Gefühl vom fliegen, die Cruiser, wie ich, lieben den Wind um die Nase und die Gerüche der Natur. Die Sportler lieben Kurven… Und „die Jugend“ die Unabhängigkeit.

Über 500 Motorradfahrer kamen in Neuruppin zusammen und haben gemeinsam Abschied genommen- in Form einer gemeinsamen Sternfahrt. Es war wirklich alles dabei, Selbst eine Indian habe ich gesehen. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Motorräder auf einmal bestaunen können. Von der schönen alten Electra- Glide über die Goldwing, Triumph, Ducati…

gemeinsames Gedenken

Die junge Frau, die den tragischen Unfall hatte wurde dann noch postum Ehrenmitglied in einem Motorradverein. Ihre Familie war zur Andacht nach der Ausfahrt anwesend. Sie waren überwältigt von den vielen Leuten… Auch ich habe an der Abschiedsfahrt teilgenommen. Da waren Kennzeichen aus Potsdam, Rathenow, Berlin, Prignitz, Vorpommern- Greifswald, Rostock, Schwerin….

Meine jüngste Tochter kannte sie…. Sie ist ebenfalls leidenschaftliche Motorradfahrerin. Natürlich habe ich überlegt: „Was wäre wenn???“ Aber ich kann es ja nicht ändern und fahre ja selbst- man kann nur den Weg weisen und auf Sicherheit achten.

Luftballons die in den Himmel fliegen

mach’s gut!

 

So wurde sie dann von der Community verabschiedet. Auch wenn ich die uniformierten Motorradclubs wegen ihrer Hierarchien nicht mag- meine Respekt für die Leute vom „Vandales MC Germania“ die das in großen Stücken organisiert haben.

Es gab keine Karambolagen oder Ausfälle- was, bei der Menge an Motorrädern keine Selbstverständlichkeit ist, und es waren ja alle Leistungsklassen vertreten. Auch jede Menge Simson’s.

Der Familie und dem LKW – Fahrer, der keine Chance hatte das zu verhindern, wünsche ich, das sie ihren Frieden finden.